3



 Gletscherrückgang in den Alpen
 Neuer Wirt am Hirschberghaus
 Zwei Tourentipps...
 Hohe Tauern - Granatspitz Gruppe: Großer Muntanitz, 3232 m
 Ötztaler Alpen: Ganglschneid zum Äußeren Bärenbartkogel, 3475 m



Gletscherrückgang in den Alpen

Daß die Gletscher in den Alpen am weichen sind, ist seit langem bekannt. Daß der heiße Sommer 2003 seinen Teil dazu beigetragen hat, ist auch keine Neuigkeit mehr. Leider trifft man nun auf so mancher, ehemals leichten Route plötzlich auf unerwartete Schwierigkeiten.

Der Anstieg von der Schöne-Aussicht-Hütte zur Weißkugel wurde wegen Unpassierbarkeit der Randkluft unterm Hintereisjoch auf den Ostgrat verlegt (genauer: Ostsporn in der Flanke zwischen Weißkugeljoch und Hintereisjoch) und weist nun Schwierigkeiten im II. - III. Grad auf. Eine weitere Anstiegsmöglichkeit bietet der ONO-Grat, der vom Weißkugeljoch direkt zum Gipfel führt (Fels II+, oben kann nach rechts in ein Eisfeld ausgewichen werden, ca. 40 Grad). Der ONO-Grat vermeidet auch die bei Neuschnee oder Vereisung ziemlich heikle Felspassage am Ende des vom Hintereisjoch emporziehenden Firnrückens.

Den recht steilen und spaltigen Gletscherarm am Granatenkogel (siehe Bild, Juli 2003) kann man nicht mehr leicht auf der rechten Seite umgehen - hier droht wegen des völligen Abschmelzens der Gletscherreste massiver Steinschlag. Auch die Scharte läßt sich nicht mehr direkt in der Rinne ersteigen. Der Gipfelgrat ist nur noch über ein steiles Eisfeld und äußerst brüchige Felsen zu erreichen. Von der Route muß eigentlich abgeraten werden.

Am Großglockner braucht man am Glocknerleitl neben guten Steigeisen auch noch gute Nerven und die innere Bereitschaft, wirklich Abstand zu halten, da auch hier an einigen Stellen recht bröckeliges Gestein zu Tage tritt.

Die Liste läßt sich fortsetzen. Das tiefe Absacken der Randspalten macht die Übertritte auf die Gletscher oft schwierig oder gar unmöglich. Nach den ersten Neuschneefällen im Herbst ist weiterhin große Vorsicht geboten. Unter den leuchtend weißen Flächen trifft man schnell noch auf blankes Eis oder glatten Fels oder gar gähnende Leere...


Neuer Wirt am Hirschberghaus

Seit Oktober 2003 wird das Hirschberghaus von Peter Maier und Julia Haupt bewirtschaftet. Die beiden sind einigen vielleicht von der Schönfeldhütte bekannt. Oder als die Unverwüstlichen, die es gewagt hatten, das Außergschlöß in der Venedigergruppe den ganzen Winter offen zu halten. Auch das Hirschberghaus wird wieder ganzjärig bewirtschaftet sein. Übernachtung im Zimmer nur auf Voranmeldung (Tel.: 0 8029/465), im Matratzenlager auch kurzfristig. Tagesbetrieb bis 17 Uhr, Dienstag ist Ruhetag.

Die Schönfeldhütte bleibt bis 4.12. wegen Renovierung geschlossen.


Zwei Tourentipps...

Nachdem die meisten hochalpinen Hütten mittlerweile ihre Türen geschlossen haben, seien hier nun zwei Touren vorgestellt, die bei entsprechender Kondition auch vom Tal aus durchführbar sind. Die weitere Entwicklung der Schneelage ist hier natürlich zu beachten.


Hohe Tauern - Granatspitz Gruppe: Großer Muntanitz, 3232 m

Von der Felbertauernstraße (Bushaltestelle Taxeralm, Parkplatz, ca. 1400 m) dem Fahrweg entlang bis zur Taxeralm. Weiter der Beschilderung "Dr.Karl-Jirsch-Weg - Sudetendeutsche Hütte" folgen zur Kessleralm und steil bis unter die Nussingscharte (2739 m). Hier nach links vom Weg ab und durch das weite Kar zu den Resten des Backtögerkeeses. Über Firnhänge hinauf zum breiten Grat, wo man auf die Markierungen des von der Sudetendeutschen Hütte herauf führenden Weges trifft. Weiter am Kamm entlang bis zum Kleinen Muntanitz (3192 m). Über einen kurzen Kamin (Drahtseil, I) zur Scharte des Kampl und leicht zum Gipfel (3232 m).

Diese Route ist auch bei Neuschnee noch relativ gut begehbar. Lediglich an der Schlüsselstelle (siehe Bild, November 2002) am Kleinen Muntanitz ist Vorsicht geboten, wenn die Versicherungen gänzlich vergraben sind. Mit Gegenanstieg rund 2000 Hm. Für den Aufstieg sollte man mit ca. 6 Stunden Gehzeit rechnen. Das Gelände ist abwechslungsreich, und nach der Kessler Alm kommt man zügig aufwärts.


Ötztaler Alpen: Ganglschneid zum Äußeren Bärenbartkogel, 3475 m

Bärenbartkogel und Freibrunner Spitze sind eher den Skitourengehern ein Begriff. Die beiden gleichnamigen Gletscher bieten zwei hochalpine Traumabfahrten. Der skiläuferische Genuss wird allerdings durch die großen Bruchzonen getrübt. Im Sommer sind die Gletscher nur schwer zu begehen. Der Felskamm der Ganglschneid führt jedoch genau mitten durch und bietet so einen landschaftlich eindrucksvollen und objektiv sicheren Anstieg zu diesen wenig besuchten Gipfeln.

Von Melag im Langtauferer Tal zur Talstation der Materialseilbahn zur Weisskugelhütte. Dahinter führt ein schmaler Weg taleinwärts zur auffälligen Moräne, die im Bogen um den Ausläufer der Ganglschneid herumführt. Man folgt der Moräne bis zum Ende bei einem kleinen See. Von dort erreicht man schnell den Einstieg bei einen kleinen Sattel (ca. 2800 m).

Der Felskamm der Ganglschneid wird über einige Zacken immer längs des Grates erstiegen (Kletterstellen im oberen II. Grad) bis zu dem Punkt, wo Bärenbart- und Freibrunner Ferner zusammenstoßen und eine schmale Firnkante bilden. Große Spalten haben den Firnkamm hier durchbrochen (siehe Bild, September 2003) - der untere Teil muß auf der W-Seite umgangen werden. Man erreicht so den felsigen Vorgipfel (3418 m) des Äußeren Bärenbartkogels. Über den von einem Blockturm gespaltenen Felskamm (II) erreicht man wieder einen kurzen Firngrat (Vorsicht: die Spalten reichen nordseitig bis knapp an den Kamm heran) und anschließend leicht den Gipfel (3475 m). Kurzer Abstieg vom Gipfel über Felsen (I) zu einem Schneesattel und wieder etwas aufwärts zum Punkt 3410 m. Dahinter steiler Felsabstieg (II) zu einem weiteren Sattel. Ein Felszacken kann auf der Nordseite (20 m, 45 Grad) umgangen werden. Bei Blankeis besser direkt am Grat (III-). Nach dem Sattel über zwei weitere Türme (II) bis nach einer kurzen Firnpassage der nächste Turm den Weg versperrt. Zunächst entlang der Kante (bei Vereisung heikel), dann hinab in einen aufälligen Spalt (III-) und auf der Südseite über Platten in die dahinter liegende Scharte. Danach leicht weiter am Blockgrat zum Ostgipfel der Freibrunner Spitze (3366 m). Der folgende Übergang zum etwas niedrigeren Westgipfel (3350 m) ist leicht. Ein Abstieg nach Süden ist von der Einsattelung zwischen den Gipfeln gut möglich. Will man die Überschreitung fortsetzen, geht es vom Westgipfel über Felsen abwärts (große Blöcke, II+) zum kurzen Schlußgrat (I) des Roten Kopfes (3244 m). Jenseits über eine steile, wenig angenehme Geröllhalde abwärts und kurzer Gegenanstieg zur Planeil-Scharte (3090 m). Von hier auf gutem Weg zurück nach Melag.

Hochalpine und lange Überschreitung mit einigen Gegenanstiegen (insgesamt rund 2000 Hm). Bis zum Roten Kopf sind ca. 8-9 Std. einzuplanen. Auch bei (geringer) Schneeauflage noch gut machbar. Je nach Festigkeit der Schneedecke können einige Gratzacken im Abschnitt zwischen Bärenbartkogel und Rotem Kopf nordseitig umgangen werden.




Schließen